Das meldet das Federal Roads Office FEDRO (ASTRA) heute für 2025, ein Fünftel mehr als letztes Jahr. Betroffen sind vor allem die Pendlerachsen, längst nicht mehr nur zur Stosszeit. 89 Prozent der Staus gehen auf Überlastung zurück, weniger als 4 Prozent auf Baustellen. Kein saisonales Phänomen, sondern Alltag.
Und prompt kommt der Reflex: „Bau halt mehr Spuren." Das Argument höre ich oft. Es klingt intuitiv und liegt trotzdem daneben. Wie sich Autoverkehr über die Siedlungsstruktur senken lässt, begleitet meine Arbeit seit Jahren.
Mehr Strassenkapazität bringt langfristig kaum weniger Stau. Studien aus den USA und 545 europäischen Städten zeigen dasselbe Muster. Zusätzliche Kapazität erzeugt zusätzlichen Verkehr. Die neue Spur füllt sich, bis der Stau wieder da ist. Und wo die Autobahn verstopft, weicht der Verkehr ins untergeordnete Netz aus, also in die Quartiere. Spurausbau erzeugt Verkehr, statt ihn aufzulösen.
Was wirkt, ist die andere Richtung: Mehr Nähe statt Distanz. In 10-Minuten-Nachbarschaften werden rund 60 % der Wege zu Fuss zurückgelegt, nur etwa 15 % mit dem Auto. In zersiedelten Gebieten ist es fast umgekehrt: 34 % zu Fuss, rund 50 % mit dem Auto. Keine Frage des Verhaltens, sondern der Struktur.
Der Hebel dafür ist längst da. Das Raumplanungsgesetz verlangt seit 2013 den Paradigmawechsel und Innenentwicklung vor Aussenentwicklung. Seither ist die Schweiz um rund eine Million Menschen gewachsen und steuert auf zehn Millionen zu. Einen Deckel dafür hat das Stimmvolk im Juni gerade abgelehnt. Das Wachstum kommt also. Die einzige Frage ist, ob wir es klug unterbringen oder weiter zersiedeln.
Denn das Gesetz wirkt nur, wenn Gemeinden in ihrer Grundordnung Verdichtung an den richtigen Orten tatsächlich ermöglichen. Genau hier hapert es.
Wie es gelingen kann, zeigt Flawil. Die Gemeinde arbeitet daran, ihre Nutzungsplanung so anzupassen, dass im Zentrum mehr möglich ist, und hat die Bevölkerung von Anfang an einbezogen. Drei Zukünfte standen zur Wahl: weiter wie bisher, hochwertige Innenentwicklung oder ein lebendiges Ortszentrum als 10-Minuten-Nachbarschaft. Viele waren anfangs unentschlossen. Am Ende entschieden sich über 90 % der Teilnehmenden für die Innenentwicklung, gegen weitere Zersiedelung.
Menschen tragen Veränderung mit, wenn man sie früh einbezieht und sie sehen, was sie gewinnen. Es braucht keinen Zwang, sondern Beteiligung und den politischen Mut, dort mehr Wohnraum zu schaffen, wo die Infrastruktur längst steht.
Stau ist kein Schicksal. Er ist das Ergebnis unserer heutigen Siedlungsstruktur, und die können wir ändern.
Schreib in die Kommentare, in welcher Gemeinde du wohnst, und ich sage dir, ob du schon eine 10-Minuten-Nachbarschaft hast oder ob deine Gemeinde das Potenzial dazu hätte.
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