«Wir verdichten doch schon.»
Das höre ich oft. Es stimmt sogar. Und es reicht trotzdem nicht.
Seit der RPG-Revision können wir nicht mehr planen wie vorher. Das Gesetz verlangt den Paradigmawechsel: Innenentwicklung vor Aussenentwicklung. Früher wurde alle 15 Jahre eingezont.
Die Zersiedelung nimmt kaum mehr zu. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Aufgezont hat fast niemand. Nirgends so, dass genug Wohnraum entstehen könnte.
Wohnungsmangellagen gibt es an immer mehr Orten. Längst nicht nur in den Zentren.
Ein Gebäude wird alle 30 bis 50 Jahre erneuert. Genau in diesem Moment entscheidet die Grundordnung, wie viel entstehen darf.
Ist es ein Geschoss mehr, ist die Lage vergeben. Über zwei bis drei Planungszyklen, denn revidiert wird alle 15 Jahre.
In Flawil brauchte es im Ortszentrum zwei bis drei Geschosse mehr. In Zürich bräuchte es deutlich mehr. Wo das nicht überall passt: Hochhäuser an einzelnen Lagen, damit andere Gebiete niedrig bleiben.
Wie viel entstehen darf, ist kein Naturgesetz. Es steht in der Grundordnung.
Also gehört es dorthin, in Szenarien mit der Bevölkerung: Bilder, Regelwerk, 4D, Handskizzen, die das Ist auf Strassenniveau überlagern. Diskutiert, bevor gebaut wird, nicht erst im Baubewilligungsverfahren.
Baumschutz, Grünflächenziffern, Bestandesschutz kommen zu Recht in die Bauordnungen. Aber ohne zusätzlichen Wohnraum an geeigneter Lage bleibt es Klimaanpassung. Nicht Klimaschutz.
Klimaschutz ist Kompaktheit. Der Weltklimarat nennt kompakte, fussgängerfreundliche Siedlungsstrukturen als eine der wirksamsten Minderungsstrategien. In 10-Minuten-Nachbarschaften werden rund 60 % der Wege zu Fuss zurückgelegt, in zersiedelten Gebieten 34 %.
Dafür braucht es andere Massgrössen. Statt Mittelwerten von gestern eine Frage, die von der Nutzungsplanung bis zum Bund gilt: Wo entstehen 10-Minuten-Nachbarschaften an geeigneten Standorten?
In Flawil haben wir das gemacht. Bevölkerung und Grundeigentümerschaft rechtzeitig einbezogen, getragen von Exekutive und Verwaltung. Über 90 % der Teilnehmenden waren für Innenentwicklung im Ortszentrum, 5 % für ein Weiter wie bisher. Das BWO hat Flawil als Referenzprojekt publiziert.
In den Richtplan des Kantons Luzern sind Erkenntnisse unserer Grundlagenberichte eingeflossen. Ins kantonale Bau- und Planungsgesetz sollen sie folgen, ins Agglomerationsprogramm St.Gallen–Bodensee der 6. Generation ebenso.
Agglomeationsprogramm. Richtplan. Bau- und Planungsgesetz. Nutzungsplan. Drei Jahre nach Gründung von Resilientsy.
Wir haben uns die Nachbarschaften, die viele wollen, selber verboten. Wir können sie uns auch wieder erlauben.
Mir wird oft erklärt, warum etwas nicht geht.
Danke allen, die den anderen Weg gehen. Die mit uns rechnen, sichtbar machen und entscheiden.
Irgendwann wird Ihr Haus saniert. Oder das, in dem Sie wohnen. Oder das nebenan.
Was erlaubt Ihre Grundordnung dann?
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