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Kurze Wege statt Stau: Wie Wachstum lebenswert bleibt.

Braucht es bei weiterem Bevölkerungswachstum Hochhäuser auf dem Land? Das fragt mich Nau.ch nach dem Nein zur 10-Millionen-Initiative. Nein. Nicht die Höhe der Gebäude entscheidet, sondern die kurzen Wege. Stau und volle Züge sind heute ein Zeichen dafür, dass uns im Alltag die kurzen Wege fehlen. In einer 10-Minuten-Nachbarschaft erledigt man vieles zu Fuss, mit Velo oder ÖV – bequem, ohne aufs Auto angewiesen zu sein.

Wie das erreicht werden könnte, zeigt nicht eine Grossstadt, sondern eine Gemeinde: Flawil. Den Anstoss gab eine Frage des Gemeindepräsidenten: Ist Flawil eine 10-Minuten-Nachbarschaft und was braucht es, damit es eine wird?

Statt überall ein bisschen mehr Bevölkerungswachstum – wenig im Zentrum, dafür neues Wachstum am Siedlungsrand –, haben wir zu Beginn der Ortsplanungsrevision drei konkrete Szenarien im Ortszentrum visualisiert, mit offen gelegten Zielkonflikten. Die Bevölkerung konnte wählen. Das Ergebnis: über 90 Prozent der an der Partizipation Anwesenden sprachen sich für eine substanzielle Innenentwicklung im Zentrum aus.

Genau das übersieht die Dichtedebatte. Viele wünschen sich ein lebendiges Dorf- oder Ortszentrum und genau dafür braucht es mehr Menschen in Gehdistanz. Das zeigen die 10-Minuten-Nachbarschaften, die wir heute schon kennen und die zu den beliebtesten Quartieren gehören, die wir haben: kurze Wege, Läden im Erdgeschoss, ÖV vor der Tür. Der Breitenrain in Bern, der Lindenplatz in Zürich, Carouge im Zentrum. Und es gibt sie viel zu selten. Nicht, weil niemand sie will, sondern weil die geltenden Bauordnungen sie verhindern.

Verdichten heisst nicht zubetonieren. Es heisst: am richtigen Ort mehr von dem bauen, was offensichtlich funktioniert. Ein Hochhaus kann dazugehören, wenn der Ort es braucht. Aber es ist ein Werkzeug, kein Ziel. In Flawil etwa reichen 5- bis 6-geschossige, eher kleinteilige Volumen. Jeder Ort hat seinen Charakter, den man zum Weiterentwickeln nutzen kann.

Es ist offen, ob die Schweiz je 16 Millionen erreicht. Die Frage ist ohnehin nicht, ob wir Platz haben, sondern wie wir den Raum entwickeln, damit Menschen gut leben. Flawil zeigt, was in Gemeinden ab etwa 10'000 Einwohnern oder in Zentren mit heute rund 3'500 Einwohnern im 500-Meter-Radius möglich ist.

Wäre dein Ortszentrum eine 10-Minuten-Nachbarschaft? Das lässt sich herausfinden. Genau dabei unterstützt Resilientsy Gemeinden und Grundstückeigentümerschaften, schreib mir.

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