Lieber Raphael Golta herzlich willkommen in einem der schwierigsten Dossiers der Stadt Zürich.
Du hast es im Tages-Anzeiger auf den Punkt gebracht: Wohnpolitik ist Priorität. Knochenarbeit. Du willst wissen, wo es hakt?
Hier ist eine Antwort aus der Praxis.
Wir haben in den letzten Wochen Mitwirkungseingaben zur BZO-Revision 2026 erarbeitet, für Stiftungen, institutionelle Investoren und private Grundeigentümer. Quer durch alle Eigentümerschaften. Was wir dabei gesehen haben: Das Problem liegt nicht am fehlenden Willen Wohnraum zu schaffen. Es liegt an einer Grundordnung, die Wohnraum verhindert, statt ihn zu ermöglichen.
Grundstücke, die aufgezont werden, aber zu wenig. Nicht genug Wohnung. Zu wenig preisgünstiger Wohnraum.
Grundstücke, die nicht auf-, sondern abgezont werden, mit messbarem Wertverlust, ohne verhältnismässige Begründung. Keine Wohnungen. Kein preisgünstiger Wohnraum.
Eigentümerinnen und Eigentümer, darunter gemeinnützige Stiftungen, die bereit wären, substanziell zu verdichten und preisgünstigen Wohnraum zu schaffen. Und es nicht dürfen.
Das ist kein Angriff auf die Ziele der Revision. Es ist eine Einladung, sie besser umzusetzen.
Das Paradox lässt sich auflösen, mit Daten und mit einer sorgfältigen Interessenabwägung. Nicht die Prozentzahl der Quote entscheidet, wie viele Menschen preisgünstig wohnen können. Es entscheidet die absolute Fläche, auf die sie angewendet wird. Eine hohe Quote auf zu geringe Dichte erzeugt weniger preisgünstigen Wohnraum als eine moderate Quote auf substanzielle Verdichtung. Das ist keine politische Haltung. Das ist Mathematik.
Das SUISPLU-Tool, entwickelt an der ETH Zürich, macht genau diese Interessenabwägung messbar: Wo ist Verdichtung raumplanerisch geboten? Wo ist sie mit guter Erschliessung, kurzen Wegen und tragfähigen Versorgungsangeboten vereinbar? Die Dichten, die das Tool projiziert, sind keine theoretischen Grössen. Es sind Dichten, die wir in Zürich bereits kennen und lieben: beim Linden- oder Brupbacherplatz. Lebendige, dichte, qualitätsvolle Quartiere, in denen man vieles im Alltag, auch den guten öV, zu Fuss erreicht. 10-Minuten-Nachbarschaften. Zürich hat sie bereits. Es braucht einfach mehr davon.
Städtebauliche Qualität ist dabei keine Bedrohung für Verdichtung, sondern ihre Bedingung. Architekturwettbewerbe, Grünraum, Erdgeschossleben: das sichert die Qualität. Das SUISPLU-Tool sichert die richtige Dichte am richtigen Ort. Beides zusammen ergibt, wie viel preisgünstiger Wohnraum tatsächlich entstehen kann, statt wie viel auf dem Papier steht.
Wir haben die Analyse. Wir haben das Tool. Wir sind bereit für die Knochenarbeit.
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