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Türme vs. 6-geschossiger Holzbau: ein ehrlicher Trade-off

Zum Abschluss der Sommerferien lud uns der Freund meiner Nichte, der dort wohnt, in die Sky Lounge im 34. Stock von Two Gilmore Place in Burnaby ein, S'mores mit Downtown Vancouver im Hintergrund. Zur Einordnung für Schweizer Augen: Diese Lounge liegt so hoch wie das Dach des höchsten Wohnhochhauses der Schweiz (113 m, Dübendorf), und wir waren erst auf halber Höhe. Der Turm: 64 Stockwerke, 216 m.

Ein Muster fiel mir auf: Onkel und Tanten wohnen im Einfamilienhaus, die junge Generation zieht bewusst in die Türme. Nicht nur wegen der Leistbarkeit: Gilmore Place von Onni Group of Companies teilt Gym, Pools, Bowling, Karaoke, Kino und Sky Lounge unter ~3.000 Bewohnern seiner drei Türme; Whole Foods, Restaurants und Jobs zu Fuss; Downtown Vancouver eine SkyTrain-Fahrt entfernt.

Und doch fragt sich sogar ihr Freund, der dort wohnt und es liebt: Muss es wirklich SO hoch sein? Die Missing-Middle-Frage. In Kanada baut man bis 6 Geschosse häufig in Holz, günstig und erprobt, darüber wird es teurer. Also habe ich für den Brentwood-Korridor gerechnet, Türme gegen 6-geschossigen Holzbau (70+ Türme, ~32.000 Wohnungen, ~70.000 Menschen).

Fläche → Turm. Für dieselbe Einwohnerzahl wie in den drei Gilmore-Türmen bräuchte Holzbau rund die 6-fache Grundfläche, also weit mehr Grundstücke zum Erwerben, Zusammenlegen, Umzonen. Deshalb passten die Türme auf die alte Mall und Industrieland, die ~500 Einfamilienhäuser von Brentwood Park bleiben unangetastet.

Kosten → unentschieden. Holzbau baut rund ein Drittel günstiger. Beim Land ist es umgekehrt: Der Turm verteilt teures Land auf viel mehr Menschen, sein Landanteil pro Wohnung ist tiefer. Zusammen liegen beide nah beieinander, je nach Landpreis mal der eine, mal der andere vorne. Sein echter Vorteil ist Flächeneffizienz, nicht Stückkosten.

Der eigentliche Trumpf der Höhe ist Finanzierung und Politik. Bonus-Dichte quersubventioniert leistbare Wohnungen. Und konzentrierte Dichte auf altem Gewerbeland umgeht den Kampf, der Missing Middle anderswo gerade gekillt hat: Am 28. Juli lehnte City of Vancouver den Villages Plan mit 10:1 ab, nach einem „Tsunami" an Anwohner-Widerstand. Dichte über Einfamilienquartiere zu verteilen ist politisch hart; auf einer toten Mall nicht. Aber das ist Prozess, nicht Bauform: Diskutiert man Szenarien früh genug mit den Betroffenen, ist Akzeptanz erreichbar. Unser Referenzprojekt in Gemeinde Flawil zeigt das, der Bericht des Federal Office for housing FOH erscheint demnächst.

Echte Vorbehalte: City of Burnaby senkt seine Affordable-Quote gerade (20→15 %), die abgerissenen alten Walk-ups hatten Mieten unter 1.000 $, günstiger als jeder „leistbare" Ersatz. In Brentwood ist es ohnehin kein Entweder-Oder: Die Türme sind Hybride, Hochhaus für Dichte, 6-geschossiger Sockel plus Townhouses für den Massstab am Boden.

Die Frage ist nicht „Turm ODER Holz", sondern wo welche Typologie das richtige Werkzeug ist.

Wie seht ihr das?

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