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Verbaute Chance oder Mut zur echten Innenentwicklung? Baden hat es jetzt in der Hand.

Die Badener Bau- und Nutzungsordnung (BNO) war vor einem Jahr bereits in der Mitwirkung und ist trotzdem bis heute noch nicht verabschiedet. Das mag nach Verzögerung aussehen. Ich sehe darin eine Chance.

Denn solange die BNO nicht beschlossen ist, kann Baden der Bevölkerung noch die entscheidende Frage stellen. Eine Frage, die ihr bisher nie gestellt wurde: Wie soll Baden in Zukunft aussehen?

Vor einem Jahr habe ich – ein Vierteljahrhundert wohnhaft in Baden – im Rahmen der Mitwirkung einen kritischen Gastbeitrag in der Badener Zeitung geschrieben. Nun hat mich Pirmin Kramer dazu interviewt.

Bisher gab es nur eine Strategie: «Weiter wie bisher», Einzonungen eingeschlossen. Mehr Zersiedlung, mehr Autoverkehr – statt qualitätsvoller Innenentwicklung mit mehr Wohnraum.

Es geht auch anders. Das zeigt Flawil (SG).

Mit meinem ETH-Spin-off Resilientsy haben wir dort drei Zukunftsszenarien entwickelt und mit Bevölkerung, Politik und Verwaltung verglichen. Möglich wurde das durch SUISPLU, das von mir an der ETH entwickelte Tool. Es macht die Folgen jedes Szenarios für Wohnraum, Wege und Ortsbild sichtbar, bevor eine Gemeinde entscheidet.

Das Ergebnis: Über 90 % der Teilnehmenden für eine substanzielle Innenentwicklung. Für ein lebendiges Ortszentrum reichen bereits fünf- bis sechsgeschossige Bauten. Das Projekt dient heute dem Bundesamt für Wohnungswesen als Referenzprojekt.

Im Interview sagte ich augenzwinkernd, man müsse sich als Expertin oft zuerst auswärts bewähren, bevor man daheim Gehör finde. Reicht Flawil, liebe Heimatstadt Baden?

Denn Baden war selbst schon einmal weiter. Im Oberstadt-Projekt am ETH Wohnforum entwickelten wir Szenarien für eine deutliche Innenentwicklung: kürzere Alltagswege, mehr preisgünstiger Wohnraum, eine lebendigere Oberstadt. Die Variante wurde nach der ersten von zwei Beteiligungsrunden abgebrochen. Die wissenschaftliche Aufarbeitung ist bis heute frei zugänglich.

Der heutige BNO-Entwurf ist keineswegs für die Katz. Vieles kann übernommen werden. Was fehlt, ist an mehreren Stellen etwas mehr Kompaktheit und punktuell mehr Höhe – damit aus «Weiter wie bisher» echte Innenentwicklung wird.

Mein Vorschlag: Die BNO-Revision um einen strategischen Einschub ergänzen. Wie in Flawil mehrere Zukunftsszenarien entwickeln. Dies nicht nur für die Oberstadt, sondern für weitere geeignete Gebiete. Und erst danach entscheiden, gemeinsam mit der Bevölkerung.

Der Einwohnerrat sagte damals zum Oberstadt-Projekt, man kaufe zwar die Katze im Sack – wolle sie aber trotzdem. Jetzt ist der Moment, sie herauszulassen.

Was heute am richtigen Ort zu wenig dicht gebaut wird, prägt Baden für 30 bis 50 Jahre.

Für eine echte Wende ist es spät. Aber keineswegs zu spät.

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