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Wohnschutz ist eine Medaille mit zwei Seiten.

Wohnschutz ist eine Medaille mit zwei Seiten.

Das wurde mir vor Kurzem auf dem Podium im Kornhausforum Bern einmal mehr bewusst. In einer ehrlichen, vielschichtigen Debatte haben wir genau diese Spannung ausgeleuchtet.

Die eine Seite der Medaille glänzt: Wer günstig wohnt, kann behalten, was er hat. Und ja, im Bestand gebundenes CO₂ ist real. Kein Abriss bedeutet keine graue Energie, die neu aufgewendet werden muss.

Die andere Seite sieht anders aus: Führt Bestandsschutz dazu, dass kaum noch gebaut wird, findet niemand etwas, sobald sich das Leben ändert. Trennung, Nachwuchs, neuer Job. Wer heute umziehen muss, wird bestraft. Fredy Hasenmaile hat es treffend formuliert: Der Umzugsaufschlag liegt in Zürich bei bis zu 50%. Kein Schutz für die, die neu suchen. Nur Schutz für die, die stillstehen. Und Miriam Meuth hat zu Recht darauf hingewiesen: Spätestens wenn die Abrissbirne kommt, endet auch dieser Schutz.

Und beim CO₂? Das IPCC ist eindeutig: Innenentwicklung – mehr Wohnraum in gut erschlossenen Zentren – gehört zu den wirkungsvollsten Klimaschutzmassnahmen überhaupt. Kurze Wege, kein Auto, dichte Versorgung. Das spart mehr CO₂, als graue Energie je kosten kann. Auf das Argument «kein Abriss» geht das IPCC dabei kaum ein. Weil es das falsche Argument ist.

Für mich ist das schwer verständlich: Die Schweiz hält den Bestandsschutz hoch, während Wissenschaft und Wohnungsmarkt dasselbe sagen: "Es braucht mehr Wohnraum in den Zentren".

Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Es wird Zeit, beide anzuschauen.

Wie schaffen wir eine faire Balance zwischen dem Schutz etablierter Mietenden und den Chancen für alle, die neu suchen?

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