top of page

Warum entstehen in den Städten zu wenig Wohnungen? Nicht weil zu wenig geplant wird, sondern weil niemand präzise definiert, was eigentlich geplant werden soll.

Ich habe das neue Raumkonzept Schweiz und den Leitfaden zur Siedlungsentwicklung nach innen vom ARE gelesen. Beide wollen das Richtige: lebendige Ortszentren, bezahlbarer Wohnraum, weniger Zersiedelung und weniger Stau.


Das Raumkonzept definiert präzise, was ein «Regionalzentrum», eine «Agglomeration» und ein «multifunktionaler intermediärer Raum» ist. Der Leitfaden wiederum erklärt ausführlich, was «hochwertig» bedeutet.


Man weiss nun also, wo man sich im Raum befindet und wie es dort hochwertig sein soll. Was man raumplanerisch konkret tun soll, bleibt aber völlig offen.


Was beide Dokumente nämlich nicht definieren:

— Zersiedelung

— Innenentwicklung

— Verdichtung


Drei Begriffe mit widersprüchlichen Definitionen, auf denen die Richt- und Nutzungsplanung sowie jedes grössere Bauprojekt in der Schweiz aufbauen.


Ausserdem habe ich diesen Satz über die eigenen Ziele des Raumkonzepts gelesen:

«Die Ziele [...] basieren auf qualitativen Kriterien. Sie sind evaluierbar, aber nicht messbar. »


Ein Strategiedokument, das einräumt, dass seine Ziele nicht messbar sind, während die Schlüsselbegriffe undefiniert bleiben?


Diese Unschärfe pflanzt sich fort vom Bund zu Kantonen, von Kantonen zu Gemeinden, in Agglomerationsprogramme, Richtpläne, Nutzungsordnungen, Bewilligungsverfahren. Lesen Sie den Erläuterungsbericht zur aktuellen BZO-Revision Zürich: Was die Stadt unter Innenentwicklung versteht, was ihr Beitrag zur Eindämmung der Zersiedelung und zur Wohnraumschaffung sein soll, ich finde es nicht.


Für Projektentwickler, Investoren und Grundeigentümer bedeutet das: Planungsunsicherheit, lange Verfahren und Bewilligungsrisiken. Nicht wegen schlechter Projekte, sondern wegen unpräziser Grundlagen.


Für uns alle:

🔴 +181 km² Siedlungsfläche auf grünen Wiesen in zehn Jahren (Fläche des Zürichsees)

🔴 Wohnungsknappheit. Steigende Mieten. Stau.


Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig planen. Wir definieren nicht präzise genug, was wir erreichen wollen.


Echte Strategie bedeutet: Begriffe klären. Datenbasiert auswerten, was in 60 Jahren passiert ist. Messbare Ziele setzen. Szenarien entwickeln. Einen Weg definieren.


Das ARE will das ändern, und das glaube ich. Die nächsten Dokumente wären eine gute Gelegenheit, mit solchen Grundlagen anzufangen. 


Gute Strategien in der Raumplanung brauchen, wie jede Strategie, solide Grundlagen und messbare Ziele.


Quellen:

- Raumkonzept Schweiz: https://raumkonzept-schweiz.ch/

- Für eine hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen - Leitfaden: https://www.are.admin.ch/de/siedlungsentwicklung-nach-innen

 
 
 

Kommentare


bottom of page